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Hessische Biodiversitätsstrategie (HBS)

Erhalt und Entwicklung der Biologischen Vielfalt in Hessen

Warum es so wichtig ist, die biologische Vielfalt in Hessen zu erhalten und zu entwickeln? Weil in den letzten 230 Jahren mehr als 140 Pflanzenarten in Hessen ausstarben und die Brutbestände einiger Arten sanken: zum Beispiel beim Kiebitz in den letzten 30 Jahren um 85 Prozent. Die Population des Feldhamsters hat sich in den letzten 40 Jahren drastisch reduziert. Die ursprünglich in den Gewässern des Vogelsberges, der Rhön, des Spessarts und des Odenwaldes verbreitete Flussperlmuschel gilt inzwischen als ausgestorben. Der Edelkrebs und die Äsche finden sich heute nur noch in wenigen Gewässern.

Neben welt- oder europaweit vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, gibt es solche, die in Hessen ihre Verbreitungsschwerpunkte haben. Letzteres gilt zum Beispiel für die hier endemische Rhönschnecke und den Rotmilan. Für deren Erhaltung hat Hessen eine besondere Verantwortung. Hieran zeigt sich, dass der Verlust der biologischen Vielfalt kein entferntes Phänomen ist, sondern auch vor der Haustür in Hessen stattfindet. Dabei geschieht der Rückgang einzelner Arten in der Regel nicht plötzlich, sondern es handelt sich um einen schleichenden Prozess. Trotz aller Bemühungen des amtlichen wie des ehrenamtlichen Naturschutzes gehen zahlreiche Arten weiterhin hessen-, aber auch deutschland- und/oder europaweit zurück. Gleichzeitig kann Hessen bei der Entwicklung der biologischen Vielfalt aber auch erste Erfolge zu verzeichnen, wie die Rückkehr des Luchses, die Wiederausbreitung der Wildkatze oder die Bestandszunahmen großer Vogelarten, wie des Wanderfalkens oder des Uhus.

Was sind die Gründe für den Verlust der biologischen Vielfalt in Hessen?

Die Gründe für den auch weltweit zu verzeichnenden Verlust an Biodiversität sind vielfältig. Sie liegen im Wesentlichen aber in der immer weiter steigenden Beanspruchung natürlicher Ressourcen durch den Menschen. Eingriffe in den Wasserhaushalt, Flächenverbrauch und intensivere Nutzung sowie die Zerschneidung von Lebensräumen haben genauso ihren Beitrag zum Verlust der biologischen Vielfalt Hessens geleistet wie der Eintrag von Schadstoffen, die Ausbreitung invasiver Arten und die Folgen des Klimawandels.

Welche Maßnahmen werden unternommen, um die Biodiversität in Hessen zu erhalten und zu entwickeln?

Das Kabinett hat am 3. Juni 2013 die Hessische Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Weiterentwicklung ist vom Kabinett am 1. Februar 2016 beschlossen worden. Mit der Biodiversitätsstrategie verknüpft die Landesregierung verschiedene Zielsetzungen: diese sind unter anderem der Schutz von Lebensräumen und Arten, besonders in Schutzgebieten, sowie die Beobachtung und ggf. Zurückdrängung invasiver Arten. Die Strategie benennt 11 Ziele und über 120 Einzelmaßnahmen, zu denen Artenhilfskonzepte ebenso gehören wie der Einsatz von Agrarumweltmaßnahmen und die systematische Überwachung ihrer Wirksamkeit oder die aktive Einbindung des ehrenamtlichen Naturschutzes, der Landnutzer und deren Verbände in die Umsetzung der Strategie. Einzelmaßnahmen sind zum Beispiel:

  • der Erhalt von Streuobstwiesen,
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der bestäubenden Insekten,
  • die Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch den Einsatz von Gewässerberaterinnen und -beratern,
  • die Verbesserung der Funktionalität der Auen im Hinblick auf Retentionsräume, Auwaldregeneration und Auengrünland,
  • Biomassenutzung zur Energieerzeugung im Einklang mit der biologischen Vielfalt

Darüber hinaus setzt sich Hessen schon seit langem und in vielfältiger Weise für die Erhaltung seiner biologischen Vielfalt ein. Seit 1991 ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen zusätzlich als Staatszielbestimmung in der Hessischen Verfassung verankert.

Auf internationaler Ebene war Hessen als erstes Bundesland der Kampagne „Countdown 2010“ der Weltnaturschutzorganisation IUCN beigetreten und hatte sich u. a. dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit aktiv für die Einhaltung der Biodiversitätsziele zu werben, gezielte Maßnahmen für gefährdete Arten durchzuführen und fortzuentwickeln sowie diese Ziele in die nachhaltige Bewirtschaftung des hessischen Staatswaldes zu integrieren.

Nicht nur die „UN-Dekade biologische Vielfalt 2011 bis 2020“ war für Hessen Anlass, die zahlreichen, breit angelegten Maßnahmen und Instrumente in einer eigenen Biodiversitätsstrategie zu bündeln und weiterzuentwickeln. Deren Umsetzung wird nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Hessen leisten, sondern auch zur Erreichung der auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene diesbezüglich festgelegten Ziele.

Welche Rolle spielt das Engagement der Bürgerinnen und Bürger bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt in Hessen?

Die notwendigen Maßnahmen, um die biologische Vielfalt in Hessen zu erhalten, sind so umfassend und vielschichtig, dass diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe vorrangig nur mit aktiver Beteiligung der betroffenen Nutzer einerseits und breiter Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger andererseits erreicht werden kann. Deshalb werden auch die Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Bildung zum Thema Biodiversität verstärkt. Dadurch soll in den unterschiedlichen Zielgruppen nicht nur das gesellschaftliche Bewusstsein für die Notwendigkeit der Erhaltung der biologischen Vielfalt in Hessen erhöht, sondern zugleich die Bedeutung dieser großen Aufgabe für den Menschen veranschaulicht werden. Ferner soll dadurch die hessische Bevölkerung motiviert werden, an den zahlreichen Maßnahmen mitzuwirken.