Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Blühende Feldflur: Artenreiche Säume!

Blühende Feldflur
- Beitrag zur Förderung der Biologischen Vielfalt

Feldwege und Säume (auch Raine genannt) sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Blühende Säume sind Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten des Offenlands und zugleich auch unersetzlich für die Biotopvernetzung.

Die Feldwege dienen dem Erreichen der landwirtschaftlichen Betriebsflächen. Feldwege und Säume sind zumeist im Eigentum der Kommunen.

Graswege und Feldraine

Dort können auch Pflanzen wachsen, die auf dem Acker oder in der Wiese nicht gewollt sind, jedoch für die Biologische Vielfalt wichtig sind.

Meist ist die Kommune Eigentümer der Wegeparzellen (Weg und Saum). Eigentum verpflichtet und bedeutet, dass die Wege nach § 1 i.V.m. § 108 Abs. 2 HGO „pflegerisch und wirtschaftlich“ zu verwalten sind. Die Kommune ist verpflichtet, sowohl die Wegefunktion aufrecht zu erhalten als auch eine widerrechtliche Bewirtschaftung (Einbeziehung in den Acker oder ins Grünland) zu verhindern.

Im Laufe der Jahrzehnte sind eine Vielzahl von Feldwegen durch tiefgreifende Veränderungen in der Landwirtschaft verschwunden.

Nutzung und Naturbezug

Früher mähten oder hüteten Privatpersonen mit fehlender Futterfläche die Säume ab. Das war später nicht mehr nötig. Auf Grund der Vergrößerung der bewirtschafteten Felder durch Zusammenlegung mehrerer kleinerer Flächen verschwanden zahlreich Gräben und Säume zwischen den Feldern, andere und zum Teil auch nicht mehr genutzte Wege kamen unter den Pflug. In der Regel werden noch heute die Säume von den Landwirten offen gehalten, die die anliegenden Felder bewirtschaften. Dadurch entfiel für die Kommunen die zeit- und kostenintensive Pflege der Feldwege.

Das Artensterben im Offenland ist zum Teil auf diese Änderung der Landbewirtschaftung, aber auch auf die Intensivierung oder Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung zurückzuführen. Die meist viel zu schmalen Säume werden häufig nur gemulcht, zum Teil zu früh, zu tief, nicht nur einseitig oder abschnittsweise sondern z.T. sogar flächendeckend – manchmal auch in zu kurzen Abständen. Für die Insekten verbleibt dann kein Lebensraum.

Wenn die Feldwege mit ihren Säumen richtig genutzt und gepflegt werden, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt im Offenland.

Was ist heute notwendig?

Um das Schwinden der Biologischen Vielfalt im Offenland aufzuhalten, ist der Erhalt der noch vorhandenen und die Rückgewinnung verlorener Saumstrukturen von großer Bedeutung.

Noch vorhandene arten- und blütenreiche Säume und Feldraine können durch eine optimale Nutzung und Pflege (Mahd mit Abfuhr zum richtigen Zeitpunkt, z.B. im Frühjahr zu Vegetationsbeginn und ggf. zu der Hauptblüte der Margeriten) erhalten bleiben. Ist eine Mahd im Spätherbst notwendig, sollte man alternierend die Hälfte der Fläche – oder eine Wegeseite – stehen lassen, um den Insekten Restlebensräume und Überwinterungsmöglichkeiten anbieten zu können.

Auf nährstoffärmeren Flächen kann es ausreichen, diese alle 2-3 Jahre (im Spätsommer) zu mähen.

Auf nährstoffreicheren Standorten können Feldwege und Säume einmal im Frühsommer gemäht werden, um konkurrenzkräftige Arten - wie Gräser - zurückzudrängen und Insekten im Sommer und Spätsommer ein vielfältiges Nahrungsangebot anzubieten.

Wer engagiert sich und braucht Unterstützung?

Seit einigen Jahren bemühen sich eine Vielzahl von Kommunen und Landkreisen, Naturschützern, Jägern und Verbänden, auch der Bauernverband, gemeinsam mit der Landwirtschaft wieder Blühstreifen anzulegen und deren Pflege zu optimieren. Dadurch wird die Biologische Vielfalt gefördert.

Die Landkreise Gießen und Kassel haben Broschüren mit Empfehlungen zur Nutzung und Pflege von Feldwegen und Säumen erstellt.

Auch der Landbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) stellt Tipps zur richtigen Pflege von Wegrändern und Wegrainen zur Verfügung...

weiterlesen

Informationen zum Projekt "Wegraine erhalten - Biologische Vielfalt gestalten"
Faltblatt des Hessischen Umweltministeriums

Praxisleitfaden "Etablierung und Aufwertung von Säumen und Feldrainen"
Herausgeber ist das Bundesbildungs- und -forschungsministerium
Zum Praxisleitfaden

Broschüre "Hecken und Raine in der Agrarlandschaft"
Herausgeber ist das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL)
Zur Broschüre

Empfehlungen zur Nutzung und Pflege von Säumen und Wegen
Herausgeber ist der Zweckverband Raum Kassel
Zur Broschüre

Empfehlungen zur Nutzung und Pflege von Säumen und Wegen
Herausgeber ist der Arbeitskreis "Lebensraum Feldwege" im Landkreis Gießen
Zur Broschüre

Biologische Vielfalt im Offenland

Das Offenland ist die nicht überbaute oder durch Gehölzvegetation dominierte zumeist landwirtschaftlich genutzte Fläche außerhalb der Ortschaften.
Dort ist – ausweislich des Nachhaltigkeitsindices (Vogelartenindikator) – nicht nur in der EU und Deutschland sondern auch in Hessen der Verlust an Biologischer Vielfalt am Größten.

Während er in der Gesamtlandschaft in den letzten 20 Jahren in Hessen von 93,04 in 1996 bis 2016 um 23,8 % auf 72,76  sank (2016 sind die jüngsten Daten mit aktualisierten Vogelindex), fiel er im Offenland von 98,02  in 1996 bis 2016 sogar um 47.9 % auf seinen bisherigen Tiefststand  von 51,04. Der Vogelindex soll 2020 den Zielwert 100 erreichen, was aller Voraussicht nach nicht zu erreichen ist.  Auf Grund des drastischen Rückgangs der Vögel im Offenland, musste 2015 sogar die Artenzusammensetzung zur Ermittlung des Indexes geändert werden.

Deshalb ist die Verbesserung der Situation im Offenland ein großes Anliegen. Mit der Verabschiedung der Strategie startet Frau Ministerin Hinz 2004 die Aktion Hessen blüht. Die Anstrengungen wurden 2017 mit der Kampagne Bienenfreundliches Hessen und 2018 mit den Feldflurprojekten weiter intensiviert.

Einen anderen Ansatz zur Verbesserung der Biologischen Vielfalt im Offenland verfolgt Gießener Arbeitskreis ‚Lebensraum Feldwege‘.

Er wurde im Rahmen der Kreiskonferenz in Gießen im Januar 2016 gegründet. Zufällig arbeiteten in diesem Arbeitskreis Personen aus den Bereichen Landwirtschaft, Jagd, Jagdgenossenschaften, Naturschutz, Kommunal- und Kreisverwaltungen (Gießen und Wetterau) zusammen. Trotz der ursprünglich scheinbar widersprüchlich scheinenden Auffassung ist es gelungen, gemeinsam ein abgestimmtes Positionspapier zu erarbeitet.   Es ist als Broschüre ‚Nutzung und Pflege der Feldwege und Wegränder‘ veröffentlicht und wurde Ministerin Hinz im Hessischen Landtag überreicht. Dieses und weitere Informationen – auch aus Nordhessen und von einer Informationsveranstaltung - finden Sie unter dem Stichwort Blühende Feldflur.