Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Mai 2021: Braunkehlchen & Franziska Schmidt

Bodenbrüter mit Vorliebe für Sitzwarten

Braunkehlchen bauen ihre Nester zwischen April und Juli am Boden – am liebsten auf strukturreichen Feucht- und Brachwiesen mit mehrjährigen Pflanzen und in der Nähe von erhöhten Sitzwarten. Von ihren Aussichtspunkten machen sie Jagd auf Insekten und deren Larven. Auch kleine Schnecken und Würmer stehen auf dem Speiseplan, gelegentlich kommen Beeren hinzu.

Braunkehlchen sind gut an ihrem hellen Streif über den Augen zu erkennen, die Brust ist bräunlichorange, die Oberseite braunfleckig.

Kategoeire rot: Der Erhaltungszustand des Braunkehlchens in Hessen ist schlecht.

Bild Braunkehlchen: © Daniel Montanus
www.daniel-montanus.de

Ein Braunkehlchen mit weiß-braunem Gefieder oben auf einer lila Distel.

 

„Die Braunkehlchenfamilien kurz nach
dem Ausflug der Jungen zu sehen,
ist einfach ein tolles Gefühl."

-Franziska Schmidt -

Bildergalerie Franziska Schmidt

Biologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill e.V. Franziska Schmidt interessiert sich seit ihrer Kindheit für Vögel und verbringt ihre Zeit gerne im Grünen.

Drei Fragen an Franziska Schmidt


Warum und seit wann setzen Sie sich für den Artenschutz ein? Was ist Ihre Motivation?

Schon in der Schule hatte ich den Wunsch, etwas für unsere Umwelt zu tun, aber ich wusste lange nicht wie genau. Erst im Biologiestudium habe ich mit Unterstützung der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) angefangen mich aktiv im Naturschutz zu engagieren. Immer wieder höre ich von erfahrenen Naturschützen "Früher gab es hier ...", "Damals brütete hier ...". In diesen Momenten habe ich das Gefühl, dass Arten vor unseren Augen einfach verschwinden und junge Generationen gar nicht mitbekommen, was eigentlich schon verloren gegangen ist.

Was fasziniert Sie an diesem Tier?

Mein erstes Braunkehlchen habe ich tatsächlich erst 2018 in natura gesehen. Eigentlich peinlich für eine angehende Ornithologin, aber Braunkehlchen sind Arten des Offenlandes und ich als "Stadtkind" (ich komme ursprünglich aus Magdeburg und habe mehrere Jahre in Hannover als Fotografin gearbeitet), war in diesen Lebensräumen nur selten unterwegs. In Hessen ist es zudem vom Aussterben bedroht und es gibt nur noch wenige Vorkommen. Im Lahn-Dill Kreis findet man die größten Vorkommen in Hessen und genau dort bin ich beruflich unterwegs. Nach dem Studium hatte ich das Glück, bei der Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill eine Stelle zu bekommen und dank der finanziellen Unterstützung vom Land Hessen darf ich mich auch weiterhin um das Braunkehlchen kümmern. Gemeinsam mit den Behörden, Naturschutzverbänden und Landwirten werten wir die Braunkehlchen Lebensräume auf und sorgen dafür, dass die Tiere erfolgreich brüten können. Zu den empfohlenen Schutzmaßnahmen für Braunkehlchen gehören das Ausbringen von künstliche Sitzwarten auf neuen Maßnahmenflächen, Anlage überjähriger Brachestreifen, späht gemähte Wiesen und Gehölzreduzierungen im Offenland. Und das Schöne daran: Es können auch andere Arten von den Maßnahmen profitieren.

Ohne das große Engagement aller Beteiligten und ohne unsere Schutzmaßnahmen hätte ich in knapp 20 Jahren vielleicht sagen müssen: "Früher gab es hier im Lahn-Dill-Kreis noch die letzten hessischen Braunkehlchen, doch heute sind sie ausgestorben." Heute bin ich optimistisch, dass es uns gelingen kann die Art zu erhalten, sodass sich auch künftige Generationen an ihnen erfreuen werden. Jeder, der mal die Gelegenheit hatte Braunkehlchen zu beobachten, wird wissen, dass diese Art äußerst sympathisch ist. Ich selber habe mich sofort in sie verliebt und wenn man die Familien kurz nach dem Ausflug der Jungen sieht, ist es einfach ein tolles Gefühl zu sehen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Wenn Sie das Sprachrohr des Tieres wären: Was würden Sie uns sagen?

Was würde ich sagen, wenn ich das Sprachrohr des Braunkehlchens wäre? Die Landschaft muss nicht sauber aussehen! Lasst wieder Säume und Brachen zu.

Collage aus zwei Bildern. Links sitzt eine Turteltaube mit grau-orangen Gefieder in der Nachmittagssonne. Rechts schaut Petra Quillfeldt in der Natur leicht nach oben.
Turteltaube & Petra Quillfeldt
Collage aus zwei Bildern: Links spiegelt sich eine fliegende Fledermaus in Wasser. Recht hält Petra Gatz ein Fledermausdetektor in der Hand.
Mopsfledermaus & Petra Gatz
Collage aus zwei Bildern. Link sitzt eine Goldwespe und schimmert grün, orange und gelb. Rechts lacht Sybille Winkel in gelben Pullover in die Kamera.
Goldwespe & Sibylle Winkel