Hauptinhalte

Lichtverschmutzung und ihre Folgen für die Biologische Vielfalt

Der natürliche Wechsel von hellem Tag und dunkler Nacht ist der grundlegendste Rhythmus der meisten Lebewesen und ein wichtiges Element funktionierender Ökosysteme.

Unterbrechungen bedeuten immer eine Störung. Künstliches Licht bei Nacht sollte daher so belastungsarm wie möglich eingesetzt werden, um den Menschen einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen und dem Insektensterben entgegenzuwirken. Die Lichtverschmutzung wird inzwischen als ein bedeutender Faktor für sich verschlechternde Lebensbedingungen bewertet. (Foto: Artyom Belozyorov, stock.adobe.com)

 

60 % der Insekten sind nachtaktiv

Etwa die Hälfte der weltweit bekannten Tierarten sind Insekten. Allein in Deutschland gibt es rund 33.000 Arten. Rund 60 % davon sind nachtaktiv. Viele von ihnen sind mit leistungsfähigen Schwachlicht-Sensoren ausgerüstet, mit denen sie sich in dunklen Nächten am Mond- und Sternenlicht gut orientieren können.

Wird die Dunkelheit aber durch Lichtverschmutzung aufgehoben, verwechseln vor allem diese Insekten künstliche Lichtquellen mit ihren natürlichen Wegweisern und verlieren die Orientierung. Von weithin abstrahlenden Straßenlaternen, Wandflächen und Fenstern werden Insekten geblendet und fliegen irregeleitet auf die Lichtquelle zu.

Vor allem an warmen Sommerabenden kommt es zu Massenanflügen auf künstliche Lichtquellen - insbesondere, wenn es sich kurzwelliges Licht im blauen oder im UV-Bereich handelt. Hektisch flattern dann zum Beispiel Nachtfalter im Lichtkegel herum und werden leichte Beute ihrer Fressfeinde. Doch der „Staubsauger-Effekt“ des Lichts verhindert, dass sie sich aus der Gefahrenzone lösen können.

Andere Arten können Lichtbarrieren nicht überwinden, sodass fortpflanzungsrelevante Abläufe gestört werden können. Denn jeder überflüssige Flug und jeder Fluchtversuch kostet Insekten viel Energie. Energie, die oft und gerade zur Fortpflanzungszeit nur sehr begrenzt zur Verfügung steht.

 

Weitreichende Folgen für Natur und Mensch

Vor allem das blaue Kunstlicht entzieht dem beleuchteten Umfeld das natürliche nachtaktive Artenspektrum. Wo Insekten durch Lichteinwirkung entzogen werden, gehen genetischer Austausch und Populationsreserven verloren. Die Nahrungskette wird empfindlich gestört: Insbesondere die siedlungsfern lebenden Fledermäuse finden nicht mehr genügt Nahrung, so wie die Vögel tagsüber kaum ausreichend Insekten mehr für ihren Nachwuchs sammeln können.

Gebraucht werden nachtaktive Insekten aber auch als Bestäuber und bei der Zersetzung von organischem Material. Ein erheblicher Teil der Ökosystemdienstleistung Bestäubung wird von nachtaktiven Insekten erbracht. Schließlich geht es nicht allein um die Biologische Vielfalt in Natur und Privatgärten, sondern auch um die Ernte in Landwirtschaft und Erwerbsgartenbau. Wo nicht bestäubt wird, können keine Früchte geerntet werden.

 

Was kann ich tun?

Eine umsichtige Umrüstung und die Planung insektenfreundlicher Siedlungs-, Gewerbe-, Park- und Gartenbeleuchtungen sind dringend anzuraten:

  1. Bitte nur warmweißes Licht mit geringen Blauanteilen im Spektrum von 2.000 bis 2.700 (max. 3000) Kelvin Farbtemperatur einsetzen.
  2. Licht möglichst nur von oben nach unten auf die minimal notwendige Fläche lenken.
  3. Weitsichtbare Abstrahlung und Blendflächen vermeiden.
  4. Die installierte Lichtleistung möglichst gering wählen.
  5. Abschaltungen, Reduzierungen (50%-Standard) oder bedarfsgerechte Schaltung mit Bewegungsmeldern prüfen.
  6. Für öffentliche und gewerbliche Beleuchtung (z.B. Parkplätze, Straßen) den niedrigst möglichen Standard festlegen (z.B. Beleuchtungsklasse nach DIN/EN 13201).
  7. Naturnahe Bereiche nicht beleuchten.

Besonders die Blauanteile im Licht unterdrücken die Produktion des für Wirbeltiere wichtigen Schlaf- und Ruhehormons Melatonin. Zudem wird warmweißes Licht deutlich schwächer gestreut und erleichtert die Anpassung des Auges an dunkle Lichtverhältnisse.

Kommunen können mit Lichtsatzungen, Lichtmasterplänen oder entsprechenden Vorgaben in Bebauungsplänen ihrer Verantwortung für ein nachhaltiges Handeln gerecht werden. Hochbau- und Landschaftsarchitekten, Beleuchtungsplaner, Handel und ausführendes Handwerk sollten für die komplexen Auswirkungen von Lichtverschmutzung sensibilisiert werden. Für private Haushalte sollten zielführende und umfassende Informationen bereitgestellt werden.

 

Seit 1. Januar 2019 gibt es zur Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen für Kommunen und Akteure aus dem kommunalen Umfeld neue Fördermöglichkeiten. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat hierzu eine neue Fassung der Kommunalrichtlinie veröffentlicht. Gefördert wird unter anderem die Umrüstung oder Sanierung auf hocheffiziente Beleuchtungstechnik im Innen- und Außenbereich. 

 

Weitere Informationen der Fachgruppe Dark Sky zum Thema Lichtverschmutzung und Insektensterben sind in unserem Download zu finden.