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Bienenfreundliches Hessen: Streuobstwiesen als europäische Hotspots der Artenvielfalt erhalten

Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser eröffnet in Neustadt-Momberg einen Streuobstwiesenlehrpfad

 

„Streuobstwiesen sind typisch hessische Hotspots der Artenvielfalt mitten in Europa. Besonders für Bienen und andere Insekten sind sie als Lebensraum von unschätzbarem Wert“, sagte Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser heute bei der Eröffnung eines Streuobstwiesenlehrpfades der Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg. Am Rand eines Weges werden auf einer Länge von etwa 200 Metern acht Apfelsorten auf Sortentafeln vorgestellt. Die Aktivitäten des Vereins werden mit Mitteln der Hessischen Biodiversitätsstrategie gefördert. „Nur was wir kennen und schätzen, werden wir schützen. Deshalb ist der Einsatz der Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg so wichtig“, betonte die Staatssekretärin. Die Wissensvermittlung sei zentral, damit Streuobstwiesen erhalten bleiben.

 

Ziel der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ des Umweltministeriums ist es, Nahrung und Lebensraum für  Bienen und wildlebende Insekten in Hessen zurückzugewinnen. Die Streuobstwiesen sind dabei besonders wichtig: Streuobstwiesen bieten ein Mosaik aus verschiedenen Kleinlebensräumen und beherbergen damit bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Insekten finden während der Obstbaumblüte im Frühjahr und ganzjährig im blütenreichen Unterwuchs unter den Bäumen bei Wildkräutern wie Wiesensalbei, Margerite oder Schlüsselblume lebenswichtige Nahrung und Lebensraum.

 

„Wir stehen vor der Herausforderung eines weltweiten Artensterbens. Laut Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) sind bis zu einer Million Arten, bereits vom Aussterben bedroht. Die EU hat sich in ihrer Biodiversitätsstrategie verpflichtet den Artenschwund bis 2020 zu stoppen. Bisher ist das nicht gelungen. Auch hier ist die Europawahl entscheidend. Wir müssen unsere Anstrengungen im Kampf gegen den Biodiversitätsverlust verstärken. Die Weichen dafür werden in Europa und bei uns gestellt“, appellierte die Staatssekretärin.

 

In Deutschland und in Hessen ist der Schwund an Insekten ein besonders drängendes Thema: Mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten in Deutschland sind gefährdet. Und 42 Prozent der Insektenarten gelten als extrem selten oder ausgestorben. Verknüpft ist das mit dem Verlust an Lebensräumen. Streuobstwiesen sind mittlerweile in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands als ‚stark gefährdet‘ eingestuft“, so Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser. Die Hessische Landesregierung setze sich daher besonders für deren Erhalt ein: Pflege und Nachpflanzung von Streuobstbeständen werden unter anderem mit jährlich rund 300.000 Euro aus dem Agrarumweltmaßnahmenprogramm HALM gefördert. Auch die Umweltlotterie hilft. Seit Start der Umweltlotterie 2016 flossen über 180.000 Euro an insgesamt 22 Streuobstprojekte in Hessen. „Künftig wollen wir der Erhaltung der Streuobstwiesen noch mehr Gewicht beimessen und die Bemühungen um ihre Pflege verstärken sowie die vielfältigen Aktivitäten für die Streuobstwiesen bündeln und vernetzen. Das hilft Bienen, aber auch vielen weiteren Arten und ist ein Puzzlestein den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen“, betonte Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser.

 

Die Anstrengungen des Landes Hessen für den Schutz der Bienen und anderer bestäubender Insekten werden auch von der EU unterstützt. Zusätzlich zur Finanzierung des Landes Hessen erhält das Bieneninstitut Kirchhain Fördermittel der EU für Maßnahmen zur Verbesserung der Erzeugung und Vermarktung von Honig in Hessen sowie für international wegweisende Forschungsprojekte über die Honigbiene in Europa.

 

Hintergrund

Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“: Mit der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ macht das Umweltministerium seit März 2017 erfolgreich auf die Bedürfnisse von Wild-, Honigbienen und anderen Insekten aufmerksam und setzt Maßnahmen um. Der Landesverband Hessischer Imker, der Hessische Bauernverband (HBV), die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL), der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen, das landeseigene Bieneninstitut, der deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und das Netzwerk Blühende Landschaft sind Partner der Kampagne. Mehr Informationen unter www.bienen.hessen.de

 

 

Die Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg: Die Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg e.V. setzt sich seit mehr als 25 Jahren auf lokaler Ebene für den Umwelt- und Naturschutz, den Artenschutz und die Umweltbildung ein. Sie engagiert sich unter anderem in den Bereichen Streuobst, alte Sorten, Blühflächen, Insekten, Vögel, Fledermäuse, Krebse, Amphibien und hat einen Lehrgarten, der zur Umweltbildung genutzt wird. Die Gruppe arbeitet mit Schulen zusammen und sensibilisiert die Bevölkerung.

 

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