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Naturschutzkampagne Hessen. Für Natur. Für Vielfalt. Für uns.

Hintergrund

Feldhamster sind ursprünglich Bewohner der eurasischen Grassteppe. Das Nahrungsspektrum des Nagers entspricht seiner Herkunft. Hauptsächlich frisst er frische Kräuter und Grassamen, sprich Getreide. Ähnliche offene Lebensraumbedingungen und Nahrungsgrundlangen hat der Mensch durch Rodung und Einführung des Ackerbaus in Westeuropa geschaffen. Noch bis vor etwa 70 Jahren wurde Ackerbau auf kleinen Flächen betrieben, die von Hand bestellt und geerntet wurden. Angebaut wurden verschiedenste Kulturen die den eigenen Bedarf an Nahrungsmitteln decken mussten. Optimale Bedingungen für den Feldhamster! Kleine Flächen mit diversem Nahrungsangebot, genügend „Un“-Kräuter, langsame Ernten, die genügend Zeit ließen, um einen Wintervorrat anzulegen.

Foto: Feldhamster beim Fressen
© Manfred Sattler

 

Mit Einführung der maschinellen Bewirtschaftung seit den 1960er Jahren hat sich das schlagartig geändert. Während die Menge der hergestellten landwirtschaftlichen Rohstoffe signifikant zunahm, weil große Landmaschinen größere Flächen schneller bearbeiten können, bedeutete das eine spürbare Verschlechterung für den Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten. Darunter auch für den Feldhamster. Vor allem weil heute große Flächen mit einer Kultur bestellt werden. Diese Spezialisierung auf bestimmte Feldfrüchte hat zur drastischen Reduktion des Fruchtartenspektrums geführt. Angebaut werden hauptsächlich Weizen, Gerste, Mais, Raps und Zuckerrüben. Durch Aufgabe bzw. Verlagerung der Viehwirtschaft sind Futterkulturen wie Klee, Luzerne und Erbsen nahezu vollständig aus Feldhamsterlebensräumen verschwunden. Ackerwildkräuter/„Un“-kräuter werden mechanisch und chemisch bekämpft. Durch ähnliche Erntetermine und schnelle, saubere Ernten ist im Spätsommer – die Zeit, in der der Feldhamster seinen Wintervorrat anlegt –  kaum mehr Futter in der Feldflur verfügbar. Zudem wird er auf der Suche nach Futter leichter von Fressfeinden erbeutet, weil zu wenig schützende Deckung vorhanden ist.

Foto: Feldhamster auf einem gemähten Feld
© Manfred Sattler

 

Was viele nicht wissen, der Feldhamster ist kein reiner Vegetarier, er benötiget auch einen geringen Anteil tierisches Eiweiß in seiner Nahrung. Er frisst dann vor allem Würmer und Insekten. Da kaum noch wilde Blütenpflanzen in der Feldflur anzutreffen sind, wird auch das Angebot an tierischer Nahrung knapp.

Im Zuge des neuen Schutzprogramms „Förderung von Leitarten der Feldflur“ des Hessischen Umweltministeriums werden deshalb mit Blühflächen, Brachen, Feldrainen und Hecken Lebensräume für Feldhamster und andere bedrohte Arten der Feldflur (wieder-) hergestellt. Die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz unter dem Dach der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. betreut in Kooperation mit dem Tier- und Pflanzenpark Fasanerie in Wiesbaden eine Auffang- und Pflegestation für Feldhamster. Darüber hinaus ist sie Partner im bundesweiten Feldhamsterschutzprojekt „FELDHAMSTERLAND“, welches vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Im Rahmen des Projektes bietet die AG Feldhamsterschutz darüber hinaus Exkursionen und Schulungen an, um die Öffentlichkeit über den gefährdeten Nager zu informieren.

Die Aktion „Was würde Hermann backen?“ ist Teil der „Naturschutzkampagne Hessen. Für Natur. Für Vielfalt. Für uns.“, die durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Schirmherrschaft von Staatsministerin Priska Hinz im Rahmen der „Hessischen Biodiversitätsstrategie“ initiiert wurde. Sie fordert die Menschen landesweit in zehn Mitmachaktionen dazu auf, sich im Alltag mit verschiedenen Aspekten des Natur- und Artenschutzes zu beschäftigen und eigene Beiträge zu leisten. Auf diese Weise schafft die Kampagne auch Bewusstsein für die Bedeutung der biologischen Vielfalt, der Ökosysteme und des Schutzes der Natur. Umgesetzt werden die Aktionen von Mai 2018 bis Dezember 2019 gemeinsam mit Akteuren aus Naturschutzverbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die die Kampagne als Botschafterinnen und Botschafter unterstützen.