Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Februar 2021: Feldhamster & Melanie Albert

Kleiner Ackerarchitekt

Der Feldhamster baut seine verzweigten Gänge unter bewirtschafteten Äckern. Seine Tasthaare im Gesicht und an den Handgelenken lassen ihn Würmer ertasten und leiten ihn durch seinen dunklen Bau. Feldhamsterweibchen sind nur 20 Tage trächtig und bringen 6 bis 10 Junge im Bau zur Welt.

In die Hamsterbacken des Nagers passen eine Menge Feldfrüchte, die er in seine unterirdischen Vorratskammern trägt. Das rötlichbraune Fell tarnt ihn gut im Feld vor Feinden wie Füchsen oder Greifvögeln.

Kategorie rot: Der Erhaltungszustand des Feldhamsters in Hessen ist schlecht.

Bild Feldhamster: © Henrik Spranz
www.spranz.org

Ein braun-weißer Feldhamster sitzt im Gras und knappert an einer lila Blume.

 

„Es ist unglaublich spannend zu sehen,
ob erarbeitete Schutzansätze dem
Feldhamster auch wirklich helfen.

- Melanie Albert -

Bildergalerie Melanie Albert

Biologin und Regionalkoordinatorin beim Projekt Feldhamsterland. Melanie Albert bewirtschaftet privat leidenschaftlich gerne ihren kleinen Garten und freut sich jährlich über die Vielfalt, die darin entsteht.

Drei Fragen an Melanie Albert


Warum und seit wann setzen Sie sich für den Artenschutz ein ? Was ist Ihre Motivation?

Das Interesse an Natur wurde mir schon in meinem Elternhaus mitgegeben. In erster Linie vor dem Hintergrund aus ihr einen Nutzen zu ziehen: Beeren, Pilze und Kräuter sammeln. Erst während meines Biologiestudiums an der Justus-Liebig-Universität Gießen aber konnte ich mein besonderes Interesse an der Ökologie entdecken. Die Komplexität, in der alles auf der Erde in einem Netzwerk miteinander verbunden ist und miteinander funktioniert, fasziniert mich jeden Tag. Ein inneres Verantwortungsgefühl dafür und schon auch die Trauer darüber, dass wir Menschen mit unserem Tun dieses Netzwerk so stark negativ beeinflussen, sodass wir die Lebensgrundlage anderer Arten zerstören und ihr Dasein bedrohen, hat mich bewegt, mich mit Naturschutz zu befassen. Der Anschluss an die Naturschutzverbände HGON und NABU hat mir zum schnellen Einstieg in den praktischen Naturschutz verholfen. Seither macht es mir große Freude in einer Gruppe mit ehrfahrungsreichen Verbandsmitgliedern, Entscheidungsträger, Geldgeber und die Öffentlichkeit vom Wert der Natur und der Sinnhaftigkeit ihres Schutzes zu überzeugen. Seit nun mehr 9 Jahren ist der Schutz des Feldhamsters und die Aufwertung der Agrarlandschaft eines meiner Hauptziele im Naturschutz. Den Nager vor dem Ausstreben zu bewahren ist eine riesige Herausforderung, die bedingt, sich immer wieder in die Tierart hineinzuversetzen, um Lösungen für die vielfältigen Probleme zu finden mit denen sich der Nager konfrontiert sieht. Es ist unglaublich spannend zu sehen, ob erarbeitete Schutzansätze der Art auch wirklich helfen. Ist das der Fall, ist dies die beste Belohnung und Motivation die man sich für seine Arbeit nur wünschen kann.

Was fasziniert Sie an diesem Tier?

Der Feldhamster ist eher zu mir als ich zu ihm gekommen. Eigentlich wollte ich meine Bachelor-Thesis gerne über die Haselmaus schreiben, stattdessen hatte eine Fragestellung zum Feldhamster für die Arbeitsgruppe Säugtierökologie an der JLU höhere Priorität. So wurde ich von meinem damaligen Betreuer und dem heutigen HGON Vorsitzenden Tobias Reiners mit der spannenden Lebensweise der heimischen Art vertraut gemacht und auch direkt mit in die praktische Verbandsarbeit der AG Feldhamsterschutz eingebunden. Neben der Tatsache, dass der Feldhamster wirklich unheimlich hübsch und niedlich ist, fasziniert mich, wie gut der Nager im Grunde an das Leben im Acker angepasst ist bzw. tausende Jahre lang war.

Wenn Sie das Sprachrohr des Tieres wären: Was würden Sie uns sagen?

Wenn wir möchten, dass sich auch zukünftige Generationen über den Anblick des hübschen Nagers freuen können, müssen wir JETZT handeln. Nur in einer kleinräumigen und biodiversen Ackerlandschaft kann er überleben. Schaffen wir es nicht die recht einfachen Bedürfnisse des Feldhamsters, nämlich hochwertiges Futter und Deckung bis mindestens September, in der Bewirtschaftungsweise zu berücksichtigen, ist der in 10 Jahren Geschichte.

Eine Collage aus zwei Bildern. Links sitzt ein braun-graues Rebhuhn im hohen Gras. Rechts liegt Andrea Immhäuser auf einer Wiese und schaut durch ein Fernglas.
Rebhuhn & Andrea Imhäuser
Collage aus zwei Bildern. Links ist der Kopf eines Grünspechts mit roter Haube. Rechts lehnt Barbara Helling lächelnd an einem Baumstamm.
Grünspecht & Barbara Helling
Collage aus zwei Bildern. Links sitzt eine Turteltaube mit grau-orangen Gefieder in der Nachmittagssonne. Rechts schaut Petra Quillfeldt in der Natur leicht nach oben.
Turteltaube & Petra Quillfeldt