Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Feldliebe Feldhamster

Den wilden Cousin des Goldhamsters bekommen nur wenige zu Gesicht. Der scheue Feldhamster lebt natürlicherweise auf den Äckern unserer Feldflur. Mit seiner Größe von bis zu 30 cm ist er fast dreimal so groß wie sein Verwandter.

Tagsüber bleibt der Feldhamster in seinem Bau unter der Erde und wird erst in der Dämmerung aktiv. Dann ist er auf den Feldern unterwegs und auf der Suche nach Futter, wie Pflanzen, Samen und auch Insekten. Von Ende August bis Mai befindet er sich in seinem unterirdischen Bau und hält Winterschlaf.

Ein Feldhamster schaut aus einem Erdloch.

Nachdem er im Frühjahr sein im Winterschlaf verlorenes Gewicht wieder durch frische Grünpflanzen aufgebaut hat, beginnt die Paarungszeit. Nur in dieser Zeit treffen Männchen und Weibchen aufeinander, ansonsten bleiben sie Einzelgänger. Etwa im Juli und nach nur 20 Tagen bringt das Weibchen bis zu zehn Junge auf die Welt. Nach etwa vier Wochen verlassen sie ihre Mutter und legen ihren eigenen Bau an.

(Bild: © Joachim Neumann | Adobe Stock)

Lebensraum

  • Er lebt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wie Getreidefelder, Blühflächen und Luzerneflächen.
  • Im Boden baut sich der Feldhamster seinen Bau mit vielen Tunneln und Ausgängen.
  • Auf den Feldern findet er sein Futter: Feldfrüchte, Gräser, Ackerwildkräuter, Insekten und kleine Wirbeltiere.
  • Strukturreiche Landschaften mit Getreidestoppeln und Blühflächen schützen ihn vor Beutegreifern wie Füchsen, Greifvögeln oder Katzen.
  • Zwischen den Halmen und Gräsern finden auch die Jungtiere den nötigen Schutz bei ihren Erkundungsgängen aus dem Nest.

Was den Feldhamstern Probleme bereitet

1. Sind die großen Felder rasch geerntet und meist gleich „umgebrochen“, also gepflügt, verliert der Feldhamster auf einen Schlag Nahrung und Verstecke und damit seinen Lebensraum. Und ohne Halme oder Gräser ist er seinen Fressfeinden schutzlos ausgeliefert.

2. Durch vermehrten Anbau von Wintergetreide, neue Züchtungen und die Klimakrise ist der Erntezeitpunkt nach vorne gerückt: Bis zur Ernte ist das Weibchen aber mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt und kann noch keinen Wintervorrat anlegen. Ist das Feld blank, sind die weiten Wege ohne Schutz ein gefährliches Unterfangen für Weibchen und Jungtiere. Greifvögel und Füchse haben dann leichtes Spiel. Dies hat zur Folge, dass Weibchen in der Regel nur noch einen Wurf im Jahr aufziehen können. Ein zweiter Wurf, der aber für den Fortbestand einer Population notwendig ist, kommt nicht mehr durch.

3. Auch Pestizide machen dem Feldhamster zu schaffen. Um Wildkräuter von ihren Äckern fernzuhalten, bringen Landwirtinnen und Landwirte Pestizide aus. Ohne Ackerwildkräuter, die von Insekten umschwirrt werden und diesen als Nahrung dienen, fehlen wiederum Insekten als Futter für den Feldhamster.

4. Beim Bau von Straßen und Gewerbegebieten gehen häufig unwiederbringlich Feldhamsterlebensräume verloren. Denn der Feldhamster unternimmt keine weiten Wanderungen und mag es eher ortstreu. Viele Tiere werden zudem Opfer des Straßenverkehrs.

5. Durch Baumaßnahmen werden auch Feldhamstervorkommen voneinander abgeschnitten und isoliert. Inzucht führt in diesem Fall zu einer genetischen Verarmung.

Mit dem Programm „Förderung von Leitarten der Feldflur“ will das Land Hessen dem Feldhamster wieder einen geeigneten Lebensraum schaffen. In aktuell neun Schwerpunktgebieten werden auf ausgewiesenen Projektflächen Maßnahmen zum Schutz des Feldhamsters umgesetzt. Ziel ist es, durch eine Konzentration vieler Maßnahmen in diesen Gebieten den Hamster und andere Arten dort wieder zu stabilisieren und eine Ausbreitung in umliegende Regionen zu ermöglichen.


Von 2018 bis 2020 förderte die Landesregierung die Feldflurprojekte mit Sondermitteln in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Euro. Für 2021 stehen erneut 500.000 Euro bereit. Zusätzlich stehen Fördermittel aus dem Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) für die Maßnahmen der neun Projektgebiete zur Verfügung.

 

„Hamsterhotels“ mit einem Bündel an Artenschutzmaßnahmen sollen den Lebensraum des kleinen Nagers erhalten. Hier gibt es für den Feldhamster genug Nahrung und für die Jungen Schutz vor Räubern.

Landwirtinnen und Landwirte lassen hierfür die Ähren auf Teilflächen ihres Feldes bei der Ernte stehen: Große rechteckige Bereiche bleiben als „Mutterzellen“ für die Aufzucht der Jungtiere bis in den Herbst ungeerntet. Auch breite „Nacherntestreifen“ bieten Schutz und Nahrung.

Bei der Ernte stehengelassene Getreidestoppeln und eine zweijährige Fruchtfolge von Winter- und Sommerweizen sind weitere Maßnahmen, um dem Feldhamster einen geeigneten Lebensraum zu bieten.

Speziell angelegte Blühstreifen enthalten Pflanzen, die der Feldhamster besonders gerne frisst, wie Weizen, Ackerbohne, Sonnenblumen, Buchweizen und verschiedene Wildkräuter. Und natürlich gibt es in den Blühstreifen auch reichlich tierisches Eiweiß in Form von Insektennahrung. Das gilt auch für extra angelegte Luzernefelder, die manche Hamster besonders gerne mögen.

Von den Maßnahmen profitieren weitere bedrohte Arten der Feldflur, wie das Rebhuhn, die Grauammer und die Feldlerche.

Patin oder Pate werden!

Unterstütze die Aufzucht und Auswilderung von Feldhamstern mit einer Patenschaft bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON)

Wer den Feldhamsterschutz mit mehr als 50 Euro unterstützt, kann sich unter Angabe seiner Kontakt- und Adressdaten als Feldhamsterpatin oder Feldhamsterpate registrieren lassen. Erhaltet dafür eine Patenschaftsurkunde und eine Einladung zum Feldhamster-Patentag!

Im Frühjahr, Sommer und Herbst benötigt das Team der HGON auch Unterstützung bei der Erfassung von Feldhamstern. Dafür könnt ihr eure Zeit spenden und mitmachen! Meldet euch dafür und auch bei Interesse an einer Spende/Patenschaft bei Melanie Albert (Referentin für Feldhamsterschutz). Telefon: 0179 4233074; E-Mail: melanie.albert@hgon.de

Rausgehen und aktiv bei der Suche nach Feldhamstern mithelfen.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

 

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