Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Feldliebe Feldhase

Der flinke Feldhase liebt trockene, offene Flächen wie Äcker, Weiden oder Wiesen. Ein erwachsenes Tier ist aufgerichtet bis zu 70 Zentimeter groß und wiegt zwischen drei und fünf Kilo. Tagsüber verweilt der Feldhase meist in einer flachen Mulde, der Sasse. Als Meister der Tarnung verschmilzt er durch sein erdbraunes Fell förmlich mit seiner Umgebung. Durch sein scharfes Gehör ist er bei Gefahr schnell gewarnt. Der Feldhase ist überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv.

Ein Feldhase Feldhase springt übers Feld.

Nach etwa 42 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen bis zu fünf Junge zur Welt. Die Junghasen sind Nestflüchter. Sie werden etwa 30 Tage lang gesäugt und von der Häsin meist zweimal pro Tag zum Säugen aufgesucht. Den restlichen Tag vertrauen die Junghasen zum Schutz vor Fressfeinden auf ihre Tarnung und verharren regungslos in ihrem Lager.

(Foto: © Ivan | Adobe Stock)

Lebensraum

  • Offene Flächen mit vielfältigen, strukturreichen Äckern, Weiden und Wiesen. Es kommen aber auch regelmäßig Hasen im Wald vor.
  • Sein vielfältiges Futter besteht aus Wildkräutern und -gräsern, Getreide, Feldfrüchten, Trieben, Knospen, Rinde und Blättern junger Bäume.
  • Hohes Gras oder Hecken, Blühstreifen und Getreidestoppeln geben dem Feldhasen Deckung und schützen ihn vor natürlichen Feinden wie Greifvögeln, Rabenvögeln, Fuchs, Dachs und streunenden Hauskatzen.
  • Die Rammler und Häsinnen lassen sich in der Paarungszeit tagsüber auf den Äckern und Grünflächen beobachten.

Was den Feldhasen Probleme bereitet

1. Die Feldhasenbestände nehmen seit mehreren Jahrzehnten ab. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren ging ein vielfältiges Mosaik von verschiedenen Fruchtfolgen und Landnutzungsformen verloren.

2. Durch die Erfindung des Kunstdüngers Anfang des 20. Jahrhunderts und dem später folgenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wurde die Landwirtschaft stetig intensiviert. Hierdurch wurden vielen Offenlandarten Deckungs- und Nahrungsflächen entzogen und dem Feldhasen fehlen zunehmend Rückzugsorte.

 

3. Der Einsatz schneller landwirtschaftlicher Maschinen zur Bodenbearbeitung und Ernte kann die in der Sasse verharrenden Junghasen das Leben kosten.

4. Durch den Flächenverlust aufgrund von Bauvorhaben und Infrastrukturprojekten gehen ebenfalls viele Lebensräume dauerhaft verloren.

5. Durch Straßenbau wird der Lebensraum von Feldhasen zerschnitten. Viele Feldhasen werden jedes Jahr im Straßenverkehr getötet.

6. Durch den Klimawandel haben nasskalte, regenreiche Winter- und Frühjahrsperioden deutlich zugenommen – dies führt zu einer hohen Sterblichkeit der Junghasen.

In den Feldflurprojekten wird eine Vielzahl von Maßnahmen zum Schutz des Feldhasen umgesetzt. Der Feldhase profitiert beispielsweise von der Anlage von Blühflächen, die ihm Nahrung und Schutz bieten. Werden Ackerrandstreifen ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet, können sich dort wieder Ackerwildkräuter ausbreiten, die dem Feldhasen gut schmecken. Wenn Teile einer Wiese ein Jahr lang nicht gemäht werden und über den Winter erhalten bleiben – sogenannte Altgrasstreifen – dienen auch sie dem Hasen als Schutz und zur Nahrungssuche. Auch weitere extensiv genutzte Flächen, Brachen, artenreiche Hecken- und Saumstrukturen bieten ihm Lebensraum.

Verzichten Landwirtinnen und Landwirte auf Walzen, Schleppen und Striegeln im Frühjahr und verschieben sie die erste Mahd in den Juli, dient dies dem Schutz der Junghasen, die während der ersten Lebenswochen im Schutz ihres Lagers (Sasse) bleiben und nicht flüchten.

Auch die Verwendung von Wildmeldern an landwirtschaftlichen Maschinen oder die Suche mit einer Wärmebildkamera rettet Hasenjunge.

Lange bevor der Frühling erwacht, bekommen die Feldhasen ihre ersten Jungtiere. Bereits im Februar drücken sich die nur faustgroßen Junghasen in ihre Erdmulde. Zu dieser Zeit verlassen sich die Jungtiere auf den Ackerflächen auf ihre natürliche Tarnung und besitzen noch keinerlei Fluchtinstinkt.

Auch wenn die Jungtiere allein in ihrer Erdmulde liegen, besteht kein Grund zur Sorge: Sie wurden nicht von der Häsin verlassen! Die Häsin sucht die Jungtiere nur nachts zum Säugen auf. Tagsüber bleiben die kleinen Hasen allein.

Daher die Bitte: Keine vermeintlich verlassenen Jungtiere anfassen und mitnehmen. Eine Aufzucht in menschlicher Obhut ist beim Feldhasen sehr schwierig und gelingt nur in wenigen Fällen.

Denken Sie auch bei einem Spaziergang mit ihrem Hund daran, dass die Feldhasenjungen bereits im Winter auf den Äckern und Wiesen auch in Wegesrandnähe liegen und nehmen Sie ihren Hund vorsichtshalber an die Leine. Betreten Sie die Acker- und Grünlandflächen nicht, sondern bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen.

 

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