Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Juli 2021: Goldwespe & Sibylle Winkel

Schillernder Parasit

In den schönsten Farben des Regenbogens und metallisch glänzend kommt die Goldwespe daher. Ihr Hinterteil kann dabei je nach Lichteinfall farblich verändert wirken. Da sie mit selten mehr als zehn Millimetern Körpergröße recht klein ist, kann die Goldwespe schnell übersehen werden. Goldwespen besiedeln vorrangig sandige und trockene Lebensräume.

Alle Goldwespen leben parasitoid bei ganz bestimmten Bienen, Blattwespen und Grabwespen – und sind deshalb direkt von diesen abhängig. Sie suchen sich deren Brutzellen aus und hinterlassen dort ihre Eier.

Kategorie orange/rot: Der Erhaltungszustand der Goldwespe in Hessen ist unzureichend bis schlecht.

Bild Goldwespe: © Valentin Gutekunst
www.valentin-gutekunst.de

Eine Wespe sitz auf dem Boden. Die vordere Körperhälfte schimmert blau-grün, die hintere gelb-rot. Die Flügel sind braun.

 

Insekten sind die verkannten tragenden Säulen
unserer Ökosysteme, denn viele andere Tiere
ernähren sich von ihnen. Die farben-
prächtigen Goldwespen stehen beispielhaft
für diese Vielfalt."

- Sibylle Winkel -

Bildergalerie Sibylle Winkel

Biologin mit Tätigkeitsschwerpunkt Ökologie. Neben dem Insektenschutz engagiert sich Sibylle Winkel besonders im Artenschutz für die vom Aussterben bedrohten Europäischen Sumpfschildkröten in Hessen. Sibylle Winkels Interessen: Ihre Familie, Fotografie, Naturbeobachtungen und die Vernetzung von Aktiven aus Naturschutzprojekten.

Drei Fragen an Sibylle Winkel

 

Warum und seit wann setzen Sie sich für den Artenschutz ein? Was ist Ihre Motivation?

Tiere, Pflanzen und vielgestaltige Lebensräume haben mich seit meiner Kindheit fasziniert. Ich hatte das Glück, am Siedlungsrand aufzuwachsen und konnte viel draußen unterwegs sein. Mit Zauneidechsen, Prachtlibellen am Bach oder Orchideen in den Nasswiesen war ich schon vertraut, bevor ich in die Schule kam… Kurze Zeit später habe ich erlebt, wie „mein Bach“ begradigt und die ganze Lebensgemeinschaft zerstört wurde. Da war ich etwa 8. Mein starkes Gefühl von damals „da läuft etwas nicht richtig“ hat sich später an vielen anderen Beispielen bestätigt – zum Beispiel am majestätischen Rhein, dem es nicht anders erging als meinem kleinen Bach. Mein alter Bach wurde inzwischen auf mehreren Strecken renaturiert. Aber: Gleichzeitig läuft auf dem ganzen Planeten so vieles grundlegend falsch, dass die Wiedergutmachungen nicht Schritt halten können mit den Zerstörungen. Ich will Wege zur Erhaltung der Biodiversität aufzeigen. Eine weitere Motivation sind meine Kinder. Sie und ihre Nachkommen sollen auch künftig in einer Welt leben können, die so schön und lebenswert ist, wie ich es als Kind erlebt habe. Zusammen mit anderen NaturschützerInnen versuche ich, Artenvielfalt in bestimmten Lebensräumen zu erhalten – kleine lebendige Oasen als „Reserven“ für künftige Zeiten.

Was fasziniert Sie an diesem Tier?

An Insekten generell fasziniert mich ihre immense Vielfalt: Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Fliegen, Wespen …. über 60 % aller bekannten Tierarten sind Insekten. In Europa über 40.000. Sie sind die verkannten tragenden Säulen unserer Ökosysteme, denn viele andere Tiere ernähren sich von ihnen. Die farbenprächtigen Goldwespen stehen beispielhaft für diese Vielfalt. Und von nahem betrachtet sind einige Spezies skurril und viele unglaublich schön.

Bedroht sind fast alle Insektengruppen durch starke Rückgänge in den letzten Jahrzehnten - z. B. allein 53 % der etwa 550 verschiedenen heimischen Wildbienenarten. Die Artenvielfalt insgesamt in Mitteleuropa verschwindet. Verantwortlich dafür sind immer radikalere Eingriffe des Menschen überall – sowohl in natürlichen, naturnahen Ökosystemen als auch in der Kulturlandschaft. Wildbienen spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem. Sie sind für die Bestäubung vieler Blütenpflanzen überaus wichtig. Dementsprechend wirkt sich ihr Rückgang auch auf andere Arten und Ökosysteme aus, u.a. auf viele Nutzpflanzen. Und eine ganze Reihe anderer Tiere, wie zum Beispiel viele Schlupf- und Goldwespen, Käfer, Fliegen oder Vögel, sind auf Wildbienen spezialisiert. Mit den Wildbienen sterben auch sie.

Die optisch spektakulären Goldwespen kamen mit über 80 Arten bei uns vor. Sie leben parasitoid bei ganz bestimmten Bienen, Blattwespen, Grabwespen – und sind deshalb direkt von diesen abhängig. Goldwespen zeigen beispielhaft, wie sich unsere Ökosysteme über Jahrtausende im Wechselspiel zwischen den Arten zu enormer Vielfalt und Komplexität entwickelt haben. Diese komplexen Systeme tragen auch uns.

Wenn Sie das Sprachrohr des Tieres wären: Was würden Sie uns sagen?

Ändert eure Lebensweise! Macht Schluss mit Pestiziden, ändert Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Erhaltet die Schafherden, die durch die Landschaft ziehen – unsere Artenvielfalt braucht sie. Und tut etwas gegen Lichtverschmutzung – wir haben es schon schwer genug!

Collage aus zwei Bildern: Links spiegelt sich eine fliegende Fledermaus in Wasser. Recht hält Petra Gatz ein Fledermausdetektor in der Hand.
Mopsfledermaus & Petra Gatz
Collage aus zwei Bildern. Links sitz ein Schmetterlink mit blauem Körper und grauen Flügeln auf einer lila Wiesenknopfblüte. Rechts schießt Claudia Hepting ein Foto.
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling & Claudia Hepting
Collage aus zwei Bildern. Links schlänglt sich eine Natter auf einem Ast. Rechts lacht Annette Zitzmann auf einem Feld in die Kamera.
Äskulapnatter & Annette Zitzmann