Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Insektenförderung auf Friedhöfen

Auf Friedhöfen ein Lebensraum für Insekten schaffen

Friedhöfe könnten künftig verstärkt zu Lebensräumen für im Bestand bedrohte Insektenarten werden, insbesondere für Wildbienen. Um das zu erreichen, müsste man sich von der historisch bedingten Vorstellung eines Friedhofes mit größeren kurzgemähten Grünflächen lösen.

Lebensraum für Insekten

Diese bieten nicht nur Insekten keinen Lebensraum, sondern verursachen auch hohe Kosten. Kurzgeschorene Rasen könnten Wildblumenwiesen weichen. Letztere bieten Rückzugsräume und Nahrung für Insekten. Zeitgleich würde sich der Pflegeaufwand reduzieren.

Um eine Selbstaussaat zu ermöglichen, sollte die Wildblumenwiese zweimal im Jahr geschnitten werden.

Der richtige Zeitpunkt zur Mahd spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die erste Mahd sollte in der zweiten Junihälfte erfolgen, damit die wildlebenden Insekten im Herbst lange Nahrung haben und die Pflanzen noch ausreichend Samen bilden. Die volle Blüte der Margeriten ist ein guter Orientierungspunkt. Das Mähgut kann einige Tage trocknen, bevor es entfernt wird. Wird im Herbst zu früh gemäht, ist die Wildblume nicht in der Lage, sich selbst auszusäen. Um aber auch Insekten in den Stängeln eine Überwinterungsmöglichkeit zu bieten, sollten diese bis Februar stehen bleiben und erst dann abgemäht werden, wenn die Vegetation beginnt.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Gräber als ökologische Nische zu nutzen.

Die häufig verwendeten pflegeleichten, züchterisch veränderten Sorten, wie Begonien oder Stiefmütterchen, bieten den Insekten keine Nahrung. Damit die Blüte schön gefüllt ist, sind dort die Staubblätter zurückgebildet, die normalerweise den Pollen und Nektar erzeugen. Dadurch scheiden diese Pflanzen als Nahrungsquelle für Insekten aus.

Bei der Pflanzenauswahl kann man auf ein breites Angebot an bienenfreundlichen Stauden mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten zurückgreifen.
Als bewährte insektenfreundliche Stauden sind zu empfehlen: Duftnessel, Sonnenbraut, Lavendel, Salbei, Katzenminze, Mädchenauge, Fetthenne, Färberkamille und Lungenkraut. Ideal wäre bei einer Pflanzung die Blütezeit zu beachten, damit kontinuierlich etwas blüht und somit ein beständiges Nahrungsangebot vorhanden ist. Zudem verringern Stauden den Pflegeaufwand erheblich, da sie im Boden überwintern und jedes Jahr neu austreiben.

Für den Besucher würde sich durch die Pflanzenvielfalt mit den sich darin tummelnden Insekten ein attraktiveres Bild bieten.

Der Verein zur Förderung der deutsche Friedhofskultur e.V. (VFFK/Borken) setzt sich seit Jahren für die Artenvielfalt auf Friedhöfen ein. Mit ihrer Kampagne "Er ist..." - artenreich, macht der Verein darauf aufmerksam, dass der Friedhof auch ein Ort für die Lebenden ist mit einem hohen ökologischen Wert.

Ein weiteres Projekt zur Steigerung der Biologischen Vielfalt auf Friedhöfen ist das NaturRuh Projekt vom Bund deutscher Friedhofsgärtnern im Zentralverband Gartenbau e.V. Es wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit dem Deutschen Innovationspreis Gartenbau 2018 ausgezeichnet.

NaturRuh bietet naturnahe und würdevolle Bestattungen auf dem Friedhof und fördert die biologische Vielfalt. Farbenprächtige Stauden, Nahrungsquellen und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere machen die Begräbnisstätte zu einem einmaligen Ort der Erinnerung. Bei einem NaturRuh-Areal handelt sich um eine zusammenhängende Fläche mit integrierten Grabstätten.

NaturRuh-Areale verstärken die ökologisch wertvolle Bedeutung von Friedhöfen: Futterstellen und Nistkästen, Insektenhotels und Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere – alles gefertigt aus natürlichen Werkstoffen – gehören zu den festen Bestandteilen von NaturRuh-Arealen. Die mit Bedacht ausgewählten Pflanzenmischungen steigern die biologische Vielfalt zusätzlich. Die Bepflanzung bei NaturRuh-Arealen ist farbenfroh und insektenfreundlich. Friedhofsgärtner wählen für die einzelnen Flächen standortgerechte Staudenmischungen aus. Die Mischungen sorgen für eine jahreszeitliche Blühabfolge, d.h. eine saisonale Wechselbepflanzung wie bei klassischen Gräbern gibt es nicht. Die gewählten Pflanzenmischungen entwickeln und regulieren sich weitestgehend selbst. Dadurch strahlen NaturRuh-Areale eine Atmosphäre von Ursprünglichkeit und Natürlichkeit aus.

Quelle: www.naturruh.de