Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

Nachtaktive Tiere scheuen das Licht

Weitreichende Folgen
für Natur und Mensch

Vor allem das blaue Kunstlicht entzieht dem beleuchteten Umfeld das natürliche nachtaktive Artenspektrum.

Wo Insekten durch Lichteinwirkung entzogen werden, gehen genetischer Austausch und Populationsreserven verloren.

Lichtverschmutzung

Die Nahrungskette wird empfindlich gestört

Insbesondere die siedlungsfern lebenden Fledermäuse finden durch die zum Licht abwandernden Insekten nicht mehr genügend Nahrung. Tagsüber suchen Vögel zunehmend vergeblich nach Larven und Insekten für ihren Nachwuchs.

Wichtig sind nachtaktive Insekten vor allem aber auch als Bestäuber und bei der Zersetzung von organischem Material. Ein erheblicher Teil der Ökosystemdienstleistung Bestäubung wird von nachtaktiven Insekten erbracht. Schließlich geht es nicht allein um die Biologische Vielfalt in Natur und Privatgärten, sondern auch um die Ernte in Landwirtschaft und Erwerbsgartenbau.

Wo nicht bestäubt wird, können keine Früchte geerntet werden. Wo nicht mineralisiert wird, kann abgestorbene Vegetation nicht zu Nährstoffen abgebaut werden.

Die unbekannten Dienstleister

Nachtfalter gelten fälschlicherweise oft nur als attraktives Fledermausfutter. Doch eine wichtige Aufgabe wird dabei außer Acht gelassen: Nachfalter sind wichtige Bestäuber. In der Landwirtschaft sind sie maßgeblich für eine erfolgreiche Produktion von Erbsen, Soja und Raps verantwortlich. Nicht nur, weil der Ertrag von der Bestäubung abhängig ist, sondern auch, weil der Transport von Pollen über größere Distanzen für den genetischen Austausch sorgt.

In Deutschland gibt es rund 3.300 Nachtfalterarten, gegenüber von nur 170 verschiedenen Tagfaltern. Über die nachtaktiven Schwärmer, Spinner und Bärenfalter wissen Biologen deutlich weniger – etwa über deren Rolle als nächtliche Bestäuber. Dabei übernehmen die Insekten nachts die Rolle von Bienen und Hummeln, die teilweise tagsüber die gleichen Pflanzen anfliegen. Besonders emsige Bestäuber sind vermutlich die Eulenfalter.

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Glühwürmchen - energieeffizient und Verlierer der Lichtverschmutzung

Zur Mittsommerwende schwärmen die Glühwürmchen und suchen nach einem Partner. Doch das gelingt nur, wenn ihr Licht im Lebensraum noch sichtbar ist. Dringt allzu viel verstreutes künstliches Licht in Wälder, in Säume und Gebüsche, dann bleibt die Lockwirkung des glühenden Hinterteils aus und die Vermehrungsstrategie hat keinen Erfolg.

Die (Leucht)Käfer werden nur wegen ihres Erscheinungsbilds (Weibchen) als Wurm und aufgrund des Schwarmauftretens als Johanniswürmchen bezeichnet. Leuchten können die flugunfähigen Weibchen aller drei heimischen Arten. Bei den umherfliegenden Insekten handelt sich aber durchweg um Männchen. Und hier ausschließlich um die des heimischen Kleinen Leuchtkäfers, denn den anderen Männchen fehlt die leuchtende Eigenschaft.

Mag die Lichtverschmutzung an Waldrändern und Gebüschen außerhalb von Siedlungen noch gering sein, so wird die Nacht über Wiesen, Gärten und Parks zunehmend heller. Das stört die erfolgreiche Vermehrung ebenso wie fehlende offene Wasserstellen und dichte Vegetation oder Nadelwälder. Die Männchen meiden das Licht und können die Weibchen nicht erreichen. Gelingt die Vermehrung scheitern viele Larven, denn auch sie brauchen in ihrer drei Jahre dauernden Entwicklung dunkle Nächte.

Warum sollte ich Glühwürmchen fördern?

Weil die Larven der Glühwürmchen sich von Nackt- und Gehäuseschnecken ernähren. Sie sind drei Jahre in unseren Gärten und Stadtparks auf nächtlicher Nahrungssuche, bevor sie sich verpuppen, innerhalb von einer Woche zum Imago werden und immer pünktlich Ende Juni als tanzende Lichter für ein bezauberndes Naturschauspiel sorgen.

Warum leuchten Glühwürmchen?

Das Leuchten entsteht bei der enzymgesteuerten Zersetzung von Luciferin. Dieser Prozess wird Biolumineszenz genannt. Interessant ist, dass Leuchtkäfer bei diesem komplexen Vorgang chemische Energie nahezu verlustfrei in (kaltes) Licht umwandeln. Der Vergleich mit einer Glühbirne ist zwar nicht mehr zeitgemäß, macht aber deutlich, dass wir aus elektrischer Energie damit rund 5 % Licht herstellen und 95 % Wärme.

Was kann ich tun?

Das ist ganz einfach: Der bewusste Umgang mit Licht reicht an vielen Stellen aus, um das romantische Schauspiel der Glühwürmchen – vor allem in der Johannissnacht - , aber auch das dreijährige Entwicklungsstadium der Larven zu fördern. Nächte sollten, wo immer es möglich ist, wieder dunkel sein.

Wussten Sie schon, dass…

…die Tier- und Pflanzenwelt die Entwicklung technischer Produkte inspiriert?

Das Zauberwort heißt: Bionik. Diese Forschungsmethode nutzt die Natur als Vorbild für technische Weiterentwicklungen. Durch Beobachtungen der Fähigkeiten von Tieren und Pflanzen können funktionierende Mechanismen aus der Natur nachgebaut und auf Technik übertragen werden. So wurden zum Beispiel bereits Kletten als Vorbild für den Klettverschluss, das Lotus-Blatt als Vorbild für die Optimierung von Fassadenfarbe oder auch der Gecko als Vorbild für Klebefolie genutzt.

Weiter zum Bionik-Institut, Hochschule Gelsenkirchen

Weiter zum BiokoN, Berlin

Weiter zu Planet Wissen, ARD



… dass das Licht eines Glühwürmchens effizienter leuchtet als jede Energiesparlampe?

Das Erzeugen von Licht durch Lebewesen nennt sich: Biolumineszenz. Damit ein Glühwürmchen aber leuchten kann, muss eine sehr komplizierte biochemische Reaktion in den Zellen stattfinden. Der Stoff Luciferin reagiert mit ATP und Sauerstoff – dabei entsteht im rauen, und für Licht durchlässigen, Hinterleib des Käfers Energie in Form von Licht. Das ist nicht nur sehr effizient, sondern erfüllt auch eine wichtige Funktion: es dient dem nachtaktiven Käfer zur Partnersuche.

Weiter zum Steckbrief, BUND Hessen

Weiter zum Porträt, WDR, Quarks, ARD Mediathek (2017)

Weiter zum WWF Blog-Eintrag (2020)



… dass Glühwürmchen zur Entwicklung von LED’s beitragen?

Die LED ist das energieeffizienteste Leuchtmittel auf dem Markt. Inspiriert durch die Technik der Glühwürmchen wollen Forscher die LED noch leistungsfähiger machen. Vor allem die raue Oberfläche des Leuchtorgans der nachtaktiven Käfer sorgt dafür, dass mehr Licht durchdringen kann. Mit einer Glühwürmchen-Panzer ähnlichen Beschichtung können Forscher die Lichtleistung einer Standard LED so um bis zu 55% erhöhen.

Weiter zum Leitartikel, Spektrum (2012)

Weiter zum Fachmagazin Lampe.de

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