Biodiversität in Hessen

Für uns und nachfolgende Generationen

April 2021: Turteltaube & Petra Quillfeldt

Edle Langstreckenzieher

Die Turteltaube ist die kleinste heimische Wildtaube und verlässt Europa im Herbst, um südlich der Sahara zu überwintern. Die rotbraun-schwarze Musterung des Gefieders und die schwarzweiße Zeichnung am Hals der Turteltaube sind unverwechselbar und muten sehr edel an.

Turteltaubenpaare bauen ihr Nest für die Brut im Gebüsch, auf Sträuchern oder in Bäumen. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegan. Sie lieben Kräuter und Samen.

Kategorie rot: Der Erhaltungszustand der Turteltaube ist in Hessen schlecht.

Bild Turteltaube: © David J Slater www.djsphotography.co.uk

Eine Turteltaube sitzt auf dem Boden umringt von rosa Gewächs. Ihr Gefieder ist orange, grau und weiß.

 

Turteltauben sind nicht nur
wunderschöne Tiere, sondern auch
Symbole für Glück, Liebe und Frieden."

- Petra Quillfeldt -

Bildergalerie Petra Quillfeldt

Professorin für Verhaltensökologie und Ökophysiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie Vizepräsidentin der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Petra Quillfeldts Motto: Alles was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand (Charles Darwin).

Drei Fragen an Petra Quillfeldt


Warum und seit wann setzen Sie sich für den Artenschutz ein? Was ist Ihre Motivation?

Ich hatte immer schon viel Freude an Natur- und Tierbeobachtungen, sei es in der unmittelbaren Umgebung, auf Reisen oder im Garten. Wer sich mit Natur beschäftigt, merkt sehr schnell, welchen enormen Einfluss wir Menschen haben, und wie die Aktivitäten des Menschen eine Vielfalt an Lebensräumen zerstören und Arten bedrohen. Das Schwinden der Artenvielfalt, aber auch die Zahl der Individuen, ist zum Beispiel bei den Vögeln sehr deutlich und zeigt uns auch, dass sauberes Wasser, gesunde Böden und damit unsere Lebensgrundlagen nicht mehr selbstverständlich sind. Mit Maßnahmen zur Erhaltung gesunder Wildvogelpopulationen können wir also auch zu unserem eigenen Wohlbefinden beitragen.

Was fasziniert Sie an diesem Tier?

Turteltauben sind nicht nur wunderschöne Tiere, sondern auch Symbole für Glück, Liebe und Frieden. Ihre starke Bedrohung und die dramatischen Rückgänge der ehemals häufigen Taube sind sehr erschreckend. Turteltauben sind unsere kleinsten Wildtauben, und legen doch als Langstreckenzieher den weitesten Weg in die Winterquartiere zurück. Bei uns haben sich besonders durch die industrielle Landwirtschaft die Bedingungen für die Turteltaube verschlechtert. Es fehlen geeignete Lebensräume wie Auwälder und strukturreiche Wald- und Feldränder. In den Wiesen und Feldrändern fehlen samenreichen Wildkräuter. Diese Probleme gibt es inzwischen in ganz Europa, und dazu kommen die Jagd und Krankheiten.

Wenn Sie das Sprachrohr des Tieres wären: Was würden Sie uns sagen?

Das war noch schön, als wir uns in größeren Trupps sammeln konnten für den langen Flug nach Afrika. Aber fast 90 Prozent von uns sind seit 1980 verschwunden. Wir und unsere Küken brauchen mehr Nahrung, vor allem schöne Wildkräutersamen und ungestörte Flächen, auf denen wir diese sammeln können. Zum Brüten haben wir am liebsten ein großes Feldgehölz, eine hohe Hecke mit dornigen Sträuchern oder einen ruhigen Waldrand. Auch Wasser brauchen wir als Körnerfresser, möglichst in der Nähe. Und unsere Reise nach Afrika ist auch immer noch sehr gefährlich. In Malta, Frankreich oder Spanien lauern Jäger auf uns und holen Hunderttausende vom Himmel. Für die geht es um „Tradition“ und „Sport“, für uns aber um das Leben.

Collage aus zwei Bildern. Links ist der Kopf eines Grünspechts mit roter Haube. Rechts lehnt Barbara Helling lächelnd an einem Baumstamm.
Grünspecht & Barbara Helling
Collage aus zwei Bildern. Links sitzt ein kleines Braunkehlchen mit weiß-braunem Gefieder oben auf einer lila Distel. Rechts schaut Franziska Schmidt in eine Kamera mit Objektiv.
Braunkehlchen & Franziska Schmidt
Collage aus zwei Bildern: Links spiegelt sich eine fliegende Fledermaus in Wasser. Recht hält Petra Gatz ein Fledermausdetektor in der Hand.
Mopsfledermaus & Petra Gatz